3 Kommentare

  1. Eva Jancak
    25. Oktober 2015 @ 10:44

    Auch gelesen, als vorletzes Longlistenbuch, vielleicht kann man es erwarten, daß es mir als Frau ein bißchen zu kalt, brutal gewesen ist, wo bleiben die Gefühle? In der Endzeitstimmung hat man wahrscheinlich keine, der Mensch ist des Menschens Wolf und wenn man nichts anderes hat, frißt man sich wahrscheinlich selber auf, das ist schon klar.
    Marlen Haushofer hat etwas Ähnliches https://literaturgefluester.wordpress.com/2013/07/05/die-wand/ aber vielleicht ein wenig weiblicher geschildert, Valerie Fritsch https://literaturgefluester.wordpress.com/2015/09/20/winters-garten/ meiner Meinung nach zu kitschig, ansonsten eine sehr schöne präzise Sprache, ein kalter Präzisionsroman würde ich sagen und einiges ist natürlich unlogisch oder nicht so leicht erklärbar, wie zum Beispiel warum gibt es keine Lebensmittel, die müßten ja überbleiben und natürlich auch, was ist eigentlich geschehen, aber das läßt sich warhscheinlich weder erklären noch vorstellen beziehungsweise habe ich mir gedacht, wenn ich mit Alzheimer im Gitterbett in einer überforderten Pflegestation liege oder zu Hause nach und nach allein verhungere, erlebe ich wahrscheinlich Ähnliches.
    Interessant ist auch, daß es soviel Winter in der heurigen LL gibt und die Romane von Peltzer und Lappert würde ich auch zu den Endzeitromanen zählen, vielleicht auch den der Jenny Erpenbeck https://literaturgefluester.wordpress.com/2015/09/15/gehen-ging-gegangen/

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  2. Thomas Brasch
    16. September 2015 @ 09:58

    Dass die Jungs schon im zweiten Kapitel allesamt zu Vergewaltigern werden, ist mir schon ein Indiz, dass hier ein Schwarzmaler geschrieben hat. Mir passt das nicht so ganz in mein etwas differenzierteres Vorstellungsbild von Menschlichkeit. Ich denke, dass es in solchen Situationen unterschiedliche ethisch-moralische Kräfte geben wird. Man kann dies beispielsweise ja auch an realen Geschichten, wie der vom Flugzeugabsturz in den Anden, erkennen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Fuerza-Aérea-Uruguaya-Flug_571)

    Bei Uwe schrieb ich schon dazu:

    Interessant, ich musste sofort an „Die Straße“ denken als ich las, worum es geht. Denn Cormac McCarthys lese ich gerade auf deine (Uwes) vergangene Empfehlung hin. Zugleich erinnert mich dies auch an Black Out von Marc Elsberg (https://thomasbrasch.wordpress.com/2014/07/30/vorsicht-ansteckend-paranoia/)

    Der Roman macht nicht den Anschein, ein Ende zu liefern, der das Fortleben erstrebenswert macht. Zudem macht mir die wandernde Ziellosigkeit, die ihr ansprecht, wenig Lust auf den Roman. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie McCarthy seine Geschichte enden lässt, so ist doch der hoffnungsvolle Weg nach Süden auch für mich als Leser ein Antreiber. (So, wie wohl derzeit für die Flüchtlinge der Weg nach Norden).

    Es erinnert auch an die Fabel der beiden Frösche, die in die Milchkanne fallen und nicht mehr herauskommen. Der eine gibt auf und ertrinkt, der andere strampelt weiter bis die Milch zur Butter wird und er doch noch hinaus hüpfen kann.

    Zuletzt fühle ich mich noch an die erste Frage in Max Frischs Fragebogen (http://www.weidigschule.de/biblio/FragenFrisch.pdf) erinnert:

    Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

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    • Jochen Kienbaum
      16. September 2015 @ 16:45

      Hallo Thomas, komme erst jetzt zu einer Antwort.

      Helle erzählt nicht chronologisch. Die Vergewaltigung steht nicht zwingend am Anfang der Odyssee.

      Was die von dir als generell pessimistisch bemängelte Vorstellung des Menschenbildes angeht; ich glaube Helle liegt da nicht so falsch.
      Lies das Buch vielleicht doch. Du wirst sehen, wenn die Existenz heruntergeschraubt wird auf das pure Überleben, so Helle, wenn es nur noch darum geht, das vegetative System am Laufen zu halten, bricht alles weg. Egal, ob man sich dagegen wehrt, oder nicht. Und sie versuchen sich zu wehren, die fünf, allerdings vergebens.

      Ein Überleben ist am Ende für den Letzten, der übrig bleibt, schon erstrebenswert (das letzte Kapitel belegt das), auch die Hoffnung auf Kontakte zu anderen Überlebenden wird aufrecht erhalten. Nur auf dem Weg dahin fällt auch die letzte Barriere; ob zwangsläufig, läßt der Roman offen. Sprachlich bietet Helle jedenfalls immer wieder großartige, berührende und auch ermutigende Passagen.
      (Details möchte ich nicht nennen, das wäre ein unfairer Spoiler an dieser Stelle. Frag notfalls über eine PM nochmal nach.)
      lg_jochen

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