20 Comments

  1. Liscano Sonnenstein
    18. März 2018 @ 13:18

    Jedem, der sich dafür interessiert, sich von den kursierenden Fehlinformationen zu befreien, sei nun diese Lektüre empfohlen:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

    Neben vielem anderen kann man dieser Erklärung von Frau Gordon entnehmen, daß es Hans Wollschläger, als er kurz vor seinem Tod mit dem Verlag eine Anpassung seiner Übersetzung plante, nur um eine “Handvoll Korrekturen” (Monika Wollschläger) ging …

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    • Jochen Kienbaum
      22. März 2018 @ 10:36

      Ja, der Text von Frau Wolff / Gordon ist interessant, aufschlussreich und sehr, sehr lang. Er zeigt ihre (durchaus nachvollziehbare) Sicht auf das (vermeintliche) “Debakel”. Aus Sicht Wollschlägers, so seine Sicht denn überhaupt verlässlich zu bestimmen / zu rekonstruieren ist, klingt das gewiss plausibel. Dennoch: es bleiben Fragen und Wünsche, vor allem aus der Sicht interessierter “Ulysses”-Leser. Denn auch der Ansatz von Harald Beck (in dem er Gabler folgt) macht neugierig. Schön wäre, wenn Verlag und Wollschläger-Erbin doch noch einen Kompromiss finden könnten. Ich beabsichtige, so ich Zeit finde, mich Frau Wolffs Thesen und Argumente nochmals ausgiebig zu widmen und dann meinen Beitrag geg. zu ergänzen oder einen “Teil 2” zu schreiben. lg_jochen

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      • Liscano Sonnenstein
        22. März 2018 @ 15:28

        Selbstverständlich ist der Ansatz von Harald Beck interessant und völlig berechtigt. Aber um ihn zu realisieren, müßte er sich mit seinem Team die Arbeit machen und dem Risiko aussetzen, den Ulysses ganz neu zu übersetzen. Solange es nur um eine Anpassung und Überarbeitung der Übersetzung von Hans Wollschläger geht, die nach wie vor unter dem berühmten Namen erscheinen soll, muß Harald Beck auch den Ansatz und die Sicht Hans Wollschlägers übernehmen. Dessen Erben, zunächst Monika Wollschläger und dann Gabi Gordon, wußten und wissen, daß Hans Wollschläger von einer “Handvoll Korrekturen” an seiner Übersetzung gesprochen hatte; Harald Beck mit seinem Team aber hat, nach der Schätzung von Frau Gordon, 10000 bis 15000 Änderungen vorgenommen. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Übersetzungskonzeptionen Wollschlägers und Becks hat Frau Gordon dokumentiert. Die Rechteinhaberin, dem Werk und Willen Hans Wollschlägers verpflichtet, konnte gar nicht anders, als die Veröffentlichung zu verbieten. Viele Grüße!

  2. livingtomorrow
    16. März 2018 @ 21:21

    Danke! Ich würde es meiner Frau schenken.

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  3. buchwolf
    14. März 2018 @ 17:22

    Angesichts dieser Groteske fällt es mir schwer, auf den “Gefällt mir”-Button zu drücken. Ich mach’s trotzdem im Sinne von “Danke für die Information”. Das kurioseste an der Sache ist, dass weder Frau Gordon noch der Verlag m. W. bisher eine inhaltliche Begründung des Schrittes veröffentlicht haben. lg, buchwolf

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  4. Masuko13
    6. März 2018 @ 10:50

    Großen Dank, lieber Jochen. Viele Rätsel in meinem Kopf sind jetzt gelöst.

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    • Jochen Knobloch
      6. März 2018 @ 10:58

      Da nich für, liebe Matsuko

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  5. Jochen Knobloch
    5. März 2018 @ 10:42

    Geht es hier zufällig um Geld? Oder?

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    • Jochen Kienbaum
      6. März 2018 @ 08:18

      Ich denke in diesem Fall eher nicht. Zumindest sind Finanzen zu keiner Zeit der Diskussion erwähnt worden. Hauptgründe, denke ich, sind (durchaus berechtigte) Schutzbestrebungen und auch einige Eitelkeiten. lg_jochen

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      • Jochen Knobloch
        6. März 2018 @ 10:57

        Ich stelle mir das so vor. Die Erben (Erbin) erhalten nach dem Erscheinen der Neuübersetzung keine Tantiemen mehr, weil die Wollschläger-Übersetzung dann nicht mehr verlegt wird. Darüber sind sie enttäuscht und legen sich nun quer.

      • Jochen
        7. März 2018 @ 13:56

        Lieber Jochen Knobloch, aus verlässlicher Quelle weiß ich: der Verlag hat Frau Gordon angeboten, auch die Originalübersetzung im Programm zu lassen. Und selbstverständlich hätte sie auch für die Neuausgabe Tantiemen erhalten. Denn sie hätte weiter firmiert als: Übersetzung Hans Wollschläger.

  6. Bri
    3. März 2018 @ 21:04

    Ein super Beitrag, lieber Jochen, keine Frage. Dennoch: peinlich für den Verlag, nicht sauberer verhandelt zu haben. So etwas darf nicht passieren. Hätte man nach Wollschlägers Tod gleich die Erben befragt und mit ihnen eine Lösung gefunden, wären 10 Jahre harter Arbeit nicht umsonst. Wobei man ja auch sagen muss, dass die 10 Jahre Arbeit sicherlich wichtige Einsichten brachten.Da gibts nur eines: das Team macht eine Neuübersetzung, eingearbeitet sind sie ja … Sehr ärgerlich auf jeden Fall. Doch die Erben hat nun mal die Rechte inne an der Übersetzung. Verträge sind Verträge. LG, Bri

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  7. Xeniana
    3. März 2018 @ 17:13

    Schade….

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  8. Mikka Liest
    3. März 2018 @ 16:27

    Da will man sich die Gefühle der Menschen, die 10 Jahre daran gearbeitet haben, gar nicht vorstellen. Was die glorreiche Krönung der eigenen Arbeit hätte sein können, geht nun einfach so verloren… Ein Hauch Hoffnung auf Einigung bleibt, aber nur ein kleiner.

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  9. Widmar Puhl
    3. März 2018 @ 15:26

    Ich finde den Beitrag hervorragend. Er zeigt deutlich, was passiert, wenn Übersetzer-Erben sich in Verlagsarbeit einmischen. Ich habe das seinerzeit schon ähnlich krass – aus anderen Gründen, das sei betont – bei Enrique Becks Lorca-Übersetzungen für Suhrkamp-Insel erlebt. Beim 100. Lorca-Geburtstag traf ich in Granada den letzten lebenden Lorca-Neffen, der als echter Urheber-Erbe bestätigte, was der Varlag schon lange festgestellt hatte: dass nämlich viele Übersetzungen Becks hahnebüchene Fehler enthielten, von den die Erben nicht lassen wollten. Man entschloss sich am Ende gemeinsam zu einer vollständige Neuübersetzung. Das wäre wohl auch beim “Olysses” der bessere Weg gewesen. Warum dieser Weg hier nicht gegangen wurde? – Vielleicht, weil die entscheidende Phase der Arbeit wie der Verhandlungen mit existenziellen Krisen des Verlages, den juristische Querelen innerhalb der Verlagsleitung und dem Umzug nach Berlin zusammenfiel.

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    • Jochen Kienbaum
      3. März 2018 @ 17:19

      Lieber Widmar, danke für die Anmerkung. Nur damit kein Missverständnis entsteht: Wollschlägers Übersetzung ist bei Erscheinen zurecht von Kritik und Lesern, nicht allen, aber der großen Mehrheit, als Meisterleistung gefeiert worden. Dass Fehler blieben, war, wie gesagt, auch dem Übersetzer klar. Selbst heute würde niemand Wollschlägers Werk verteufeln oder in Bausch und Bogen ablehnen; im Gegenteil, es wird nach wie vor geachtet. Auf Grundlage der Gabler-Edition des »Ulysses« musste allerdings vom Editionsteam deutlich mehr geändert werden als zu Beginn der Arbeit vermutet. Hinzu kommen unzählige Entschlüsselungen von Kleinst-Stellen und Details, die mit Dialekten, Eigennamen von Örtlichkeiten und Personen oder versteckten Zitaten zu tun haben. Erst das Internet und “Schwarm”-Arbeit hat ermöglicht, was vorher einsame Schreibtischarbeit gewesen wäre und von Einzelpersonen nicht zu bewältigen. Selbst der beste Übersetzer kann nicht alles aufdecken, durchschauen und in die Übersetzung retten. Im Fall »Ulysses« kumulierten Einzelkorrekturen in einem solchen Maße, dass die Erben nun die Ausgangsübersetzung offenbar als “zerstört” ansahen. Jetzt liegt das Kind im Brunnen, weil nicht rechtzeitig, klar und eindeutig verhandelt wurde. So scheint’s zumindest angesichts der augenblicklich offengelegten Quellen. Den exakten Inhalt der Schreiben, die zwischen den Parteien gewechselt wurden, kennen wir leider (noch) nicht. lg_jochen

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  10. Wolfgang H.
    3. März 2018 @ 15:22

    Eine kleine Korrektur: Frau Gordon ist nicht die Witwe Wollschlägers. Sie ist die Erbin.

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    • Jochen Kienbaum
      3. März 2018 @ 16:50

      Danke für den Hinweis, der mich aus anderer Richtung ebenfalls erreicht hat. Ich bin hier einem Fehler aufgesessen, den mehrere Zeitungen und Agenturen vervielfältigt haben. lg_jochen

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  11. soerenheim
    3. März 2018 @ 14:54

    Wow, krasse, dem Werk irgendwie auch absurd würdige Geschichte. Hatte ich noch gar nichts von mitbekommen. Auf eine weitere Irrfahrt!

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    • Bri
      3. März 2018 @ 21:04

      Stimmt.

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