7 Kommentare

  1. jneubau
    2. Februar 2018 @ 04:10

    Ich bewundere den Mut und das handwerkliche Können eines jeden, der es heute wagt, Homer noch einmal in Hexametern zu übersetzen. Ich habe die Voß’sche Übersetzung immer in Griffweite und bin sehr gespannt auf die Neuübersetzung von Herrn Steinmann. Apropos Voß: Man muss nur einmal dessen Versionen nebeneinanderlegen, um zu sehen, welche Kreativität in seine Übersetzungen einfließt. Das sollte man Übersetzern nicht zum Vorwurf machen — im Gegenteil, der Übersetzer ist es, der mit seiner Kreativität den Klassiker für eine neue Generation von Lesern zum Leben erweckt.

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  2. Jochen
    17. November 2017 @ 13:54

    @Martina_Maierhofer und @Bersarin

    Natürlich gerät auch Steinmann bei aller angestrebten Treue zum Original hier und da auf sprachliches Glatteis. Im angeführten Beispiel kann ich Steinmanns Argumentation durchaus folgen, weil die feigen Säcke näher an den Memmen stehen als Schrotts Gipfköpfe. Schrott las sich geschmeidig, ja, aber seine Ilias muss dann doch eher Nachdichtung als Übersetzung genannt werden. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Steinmanns Übersetzung einen sehr langen und von intensiven „Kämpfen“ begleiteten Lektoratsprozess durchlaufen hat, in dem vieles dem heutigem Sprachgebrauch angepasst wurde. Nicht alle Modernismen, die kritische Leser bemängeln könnten, gehen somit auf Steinmanns Kappe allein. Ich habe seine Ilias noch nicht vollständig bewältigt, aber in den verschiedenen, langen Passagen, die ich gelesen habe, versöhnt er durchaus stimmig den antiken Homer mit unseren heutigen Sprachgewohnheiten. Soweit ich das als Nicht-Philologe, der auch das Altgriechisch nicht beherrscht, beurteilen kann. Zu gute muss man Steinmann halten, dass er eine (streng) metrische Übertragung abliefert. Das geht über Schadewaldt, der nach wie vor gut lesbar ist, weit hinaus und noch weiter über Schrotts Nachdichtung, die verständlicherweise ihre Fans hat. (Mir hat sie nicht sonderlich behagt, muss ich gestehen.) Steinmanns „Ilias“ klingt „antik“ genug, um glaubwürdig zu sein, aber auch „modern“ und „kühn“ genug, um Leser heute noch zu fangen. Damit wäre doch einiges erreicht, oder?!

    lg_jochen

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    • Bouvpec
      17. November 2017 @ 17:04

      Originaltreue ist gar nicht so mein Punkt. Mir scheint es eher unpassend, wenn Steinmann sich als Übersetzer philologisch argumentierend von einem Text abgrenzt, den er selbst längst schon als bloße Dichtung eingestuft hat. Die Diskussion müsste dann ja auf einer ganz anderen Ebene geführt werden und vielmehr nach der Sinnhaftigkeit und/oder Legitimität eines freieren, aktualisierenden Umgangs mit einem Klassiker überhaupt fragen. So gewinne ich den Eindruck, dass Steinmann die Popularität von Schrotts Buch gerade recht kommt, um seine Neuerscheinung werbewirksam davon abzuheben.
      „Mehr Optimismus“ wünschte sich Uwe Walter 2009 von dem ob der Schrottschen Neufassung Gift und Galle speienden Altphilologen Paul Dräger: „Wenn auch nur ein Mensch durch Schrott angeregt wird, Griechisch zu lernen oder verschüttete Griechischkenntnisse wieder aufzufrischen, ist ein gutes Werk getan. Und niemand nimmt Ihnen oder dem Publikum die klassische Übersetzung von Schadewaldt oder die im Entstehen begriffene von Joachim Latacz weg“. Die Tatsache, dass sich acht Jahre später immer noch ein Altphilologe an Schrott abarbeitet, zeigt – neben Ihren Insiderinformationen zum Thema Lektoratskämpfe – dass zeitgemäßes Schreiben ein ernst zu nehmendes Bedürfnis ist. Wird ihm nicht entsprochen, erstarren auch die alten Texte zu bloßen Gipsfiguren, die nur für einen Tempel taugen. In diesem Sinne wünsche ich Steinmanns Neuübersetzung viele Leser.

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      • Jochen
        17. November 2017 @ 19:07

        Ich denke, soweit liegen wir nicht auseinander. Auch die Steinmann’sche Ilias wird in 15 bis 20 Jahren von einem frischen Versuch der Annäherung abgelöst werden. Was seinen Groll auf Schrott betrifft: ich glaube Steinmann stößt sich weniger an den sprachlichen Freiheiten als am Begriff Übersetzung. Nachdichtung wäre ihm lieber, aber da stecken wir sofort tief in der Diskussion, ob nicht jede Übersetzung auch Nach- bzw. Neudichtung ist….. Ein weites Feld.

  3. Bersarin
    17. November 2017 @ 10:39

    Ansonsten aber ein lesenswertes Interview!

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  4. Bersarin
    17. November 2017 @ 10:38

    Lustig, das ist der einzige Punkt, wo ich auch stutzte: Gipsfiguren klingen denn doch besser als feige Säcke. Das hat mich von der Übersetzung ein wenig abgeschreckt. Ich hoffe, daß sie nicht in diesem Ton weitergeht: denn das wäre nämlich in der Tat eine unzulässige Modernisierung des Textes. Es sollte schon gelten, bei einer Übersetzung, den antiken Ton zu treffen.

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  5. Martina Maierhofer
    17. November 2017 @ 01:06

    Schon lustig, wenn Steinmann sich seiner Texttreue rühmt und „feige Säcke“ übersetzt („auch ich wage einiges!“) wo Schrott von „Gipsfiguren“ spricht. Der unorthodoxe Komparatist Schrott wäre der ersteren Version wegen einer Vulgarisierung des Textes bezichtigt worden (und wurde dies); der Altphilologe hingegen wirkt bemüht, ein verklemmtes Zunftimage abzuschütteln. Welcher „Sound“ da wohl besser ist?

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