6 Comments

  1. Ulrike Sokul
    5. Mai 2017 @ 22:05

    Lieber Jochen,

    Du sprichst mir mit dem Thema BIBLIODIVERSITÄT aus der Buchhändlerinnenseele!

    Die Bestsellermonokultur ist ebenso öde, wie die landwirtschaftliche Monokultur und ebenso geschmackseinfältig.

    Die großen Buchhandelsketten und gewisse Online-Konzernkraken haben leider WESENTLICH dazu beigetragen, daß die Bibliodiversität nachgelassen hat. Bei Verlagen wird die Konzernkonzentration auch immer größer, allein die Verlagsgruppe Random House beherbergt mehr als vierzig Verlage unter einem Dach.

    Doch auch die ökonomische Bewußtlosigkeit und Bequemlichkeit der Kunden wirkt eifrig dabei mit, die Großen zu füttern und die Kleinen auszuhungern.

    Mir gefällt diese Bestsellmonokultur ganz und gar nicht! Ich habe noch in einer Buchhandlung gelernt, in der – unter achtsamer Berücksichtigung der Kundennachfrage – nach vielseitiger, individueller Lektürebegeisterung eingekauft und verkauft wurde. Ich habe auf meinem Buchbesprechungsblog einmal einen nostalgischen Rückblick dazu geschrieben:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/bemerkungen-zum-buchhandel/

    Buchhandlungen machen Bücher sinnlich-sichtbar und greifbar, und gute Buchhändler bringen Büchervielfalt einfühlsam ins Gespräch. Im besten Falle ist eine Buchhandlung auch gelebte Kleinkunst, gepflegte Sprachkultur sowie Improvisationstheater, das spontan-wortspielerisch aus manchen Verkaufsdialogen entsteht. Doch solche zwischenmenschlichen Kulturbuchhandlungen haben inzwischen Seltenheitswert.

    Bibliophile Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    • Jochen Kienbaum
      8. Mai 2017 @ 10:21

      Danke, Ulrike, für Deine Ergänzung des Beitrages. lg_jochen

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  2. romantickercarolinecasparautorenblog
    2. April 2017 @ 16:57

    Recht interessante Informationen. In diesem Zusammenhang muss ich meine Einstellung noch einmal überdenken. Die Bedeutung der Buchpreisbindung für kleine Verlage war mir bisher so nicht bewusst. Ich hatte sie lediglich als ein Hindernis angesehen, Bücher zu einem Preis zu vermarkten, der nicht den Großteil der Bevölkerung vom Lesen ausschließt, weil dort schlicht und ergreifend nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind, sich mehrere Bücher zum oft hohen – m. E. zu hohen – Marktpreis anzuschaffen.
    Bücher für mich bzw. meine Familie kaufe ich übrigens in der Regel im kleinen Buchladen, da ich diese unterstützen will und die Atmosphäre dort sehr schätze.

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    • Jochen Kienbaum
      2. April 2017 @ 17:31

      Ja, für Menschen/Familien mit geringem Einkommen mögen Bücher teuer (und bisweilen unerschwinglich) sein. Aber glaub mir, die Verlage, vor allem die unabhängigen, kalkulieren alle sehr knapp. Reich wird damit keiner. Die Buchpreisbindung verhindert Rabattschlachten und Dumpingaktionen großer Ketten und hält viele kleine, liebevoll geführte Buchhandlungen und Verlage über Wasser. Schön, wenn Du sie und ihre wertvolle Kulturarbeit unterstützt.

      Nicht erwähnt habe ich im Artikel übrigens den verminderten Mehrwertsteuersatz für Bücher. Auch an den wollen Viele ran. Fiele der fort, würden Bücher leider noch teurer, ohne dass AutorInnen, VerlegerInnen oder BuchhändlerInnen davon etwas hätten. Nur der Finanzminister Schäuble könnte sich die Hände reiben.

      lg_jochen

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  3. Marina Büttner
    2. April 2017 @ 11:56

    Mir erscheint es wichtig, die Käufer überhaupt auf die Buchpreisbindung aufmerksam zu machen. Die meisten wissen ja gar nichts davon. Als Buchhändlerin habe ich da so manches Mal Aufklärungsarbeit geleistet und darauf aufmerksam gemacht, was sie für die Bücher- und Verlagsvielfalt bedeutet …

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    • Jochen Kienbaum
      2. April 2017 @ 12:57

      Auch Susan Hawthorne sagte, wenn es so etwas wie die deutsche Buchpreisbindung in Australien gebe, wäre die Lage vieler kleiner Verlage weniger prekär. Gleichzeitig haben alle Angst über das Thema laut zu sprechen, weil, wie Cornelia Geissler am 31.3. in der Berliner Zeitung schrieb, »könnte man allein durch das Aussprechen ihrer Gefährdung böse Geister heraufbeschwören«.

      Andersherum: nur wenn möglichst viele, da hast du völlig Recht, um den Wert der Buchpreisbindung wissen, können sie sie im Fall des Falles verteidigen. Fraglich allerdings, wieviele wirklich für die Buchpreisbindung auf die Straße gingen oder ihre Abgeordneten mit entsprechenden Eingaben, Briefen und Petitionen einnorden und in die Spur schickten. Biblidiversität ist ein zartes und bedrohtes Pflänzchen, leider.

      lg_jochen

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