11 Kommentare

  1. buecherliebhaberin
    31. März 2017 @ 20:33

    Lieber Jochen, ein schöner Text. Nur eine Frage: Wie heißt die Tapas-Bar? Liebe Grüße in die Hauptstadt

    Antworten

    • Jochen Kienbaum
      1. April 2017 @ 11:04

      Liebe Vera, Name und Adresse der Tapas Bar nenne ich öffentlich nicht; sonst wäre es kein Geheimtipp mehr und wir bekämen demnächst gar keinen Platz mehr in dem wunderbaren Etablissement. (Auf Anfrage könnte ich aber, wenn Du ganz lieb bittest, Dir die Adresse zukommen lassen, per PM, Mail oder sonstwie :-). lg_jochen

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  2. Henri Vogel
    28. März 2017 @ 15:15

    Schöner Text. Ich streue mal was kontroverses zum Thema „Leidenschaft“ ein, weil es mich seit dem Wochenende umtreibt: Leidenschaft für Bücher und Literatur ist die Voraussetzung, wenn man sich – in welcher Form auch immer – dieser Kunstform verschrieben hat. Aber ich denke immer mehr, dass das nicht reicht, sonder es ein Bewusstsein für die Position der Blogger*innen/Kritiker*innen, eine Ethik und ein bisschen Handwerkszeug (und ich rede nicht von Rechtschreibung und Grammatik) braucht. Ich meine die Kenntnis ökonomischer Zusammenhänge: Blogger*innen sind Multiplikatoren für Verlage und auch für die Messe. Und weil wir alle so leidenschaftlich sind, tun wir das unentgeltlich. Beim Feuilleton und der professionellen Kritik sitzen die Blogger*innen am Katzentisch, aber das ist ok, weil wir ja alle leidenschaftlich sind. Man könnte Zynismus vermuten, wenn ein bezahlter Redakteur zu unbezahlter Arbeit ermutigt.

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    • Jochen
      28. März 2017 @ 16:31

      Danke für den Kommentar und deine Anmerkungen, Henri.

      Ich fange mal hinten an. Platthaus hatte sicherlich keine Aufforderung zu unentgeltlicher Arbeit im Sinn. Im Gegenteil, er sprach explizit an, dass einige BloggerInnen, so sie es denn möchten, durchaus in der Lage seien mit ihren Texten Geld zu verdienen. (Auch er lese übrigens die zu besprochenden Bücher überwiegend in seiner unbezahlten Freizeit.) Ungeachtet finanzieller Aspekte, die bei der Konferenz an anderer Stelle ausführlich thematisiert wurden, ging es Platthaus um etwas anderes. Basis ist Leidenschaft für das Buch und die Buchkultur, zweiter Schritt sei Urteilsfähigkeit. Die lasse sich, frei nach Marcel Reich-Ranicki. Auf zwei Worte reduzieren: Ja oder Nein! In der Regel werde das Urteil aber ausführlicher begründet.

      Selbst hier unterscheiden sich, so Platthaus, Blogs und Feuilleton noch nicht wesentlich. Erst in der Herleitung und Begründung des Urteils würden unterschiedliche Kulturtechniken angewendet. Die „klassiche Literaturkritik“ nutze überwiegend „klassische Werkzeuge“, die im Studium und/oder Beruf unterschiedlich perfekt erlernt und geübt würden. Viele Blogger nutzten die auch, aber überwiegend wäre es „privater Geschmack“, der die Urteile auf den „privaten Blogs“ stütze. Was keinesfalls verwerflich sei, denn auch er, Platthaus, lasse sich durchaus von Geschmacksfragen leiten, argumentiere im Einzelfall nur genauer und auf anderer Grundlage. Andere Blogs setzten sehr wohl auf ausgefeilte Kulturtechniken und seien dem Feuilleton näher und verwandter, als das viele „Medien-Profis“ zugeben wollten. Fazit: es bleibt am Ende die Leidenschaft als Grundlage. Welche Kultur- und Analysetechniken drauf aufsitzen, sei erstmal sekundär. Die Fragen möglicher Distanzverluste zu Verlagen und Autoren, den möglichen Missbrauch als sogenannte Influencer und Werbe-Multiplikatoren hat Platthaus angesprochen. Er selbst halte aus „presse-ethischen“ Gründen zu vielem Distanz, um Glaubwürdigkeit nicht aufzugeben. BloggerInnen, weil sie privat agieren, müssen das nicht zwingend, sollten aber mögliche Gefahren und Abhänigkeiten durchaus bedenken.

      Ich gehe da mit Platthaus weitestgehend d’accord und sage: es stünde allen BloggerInnen gut, sich mit den eigenen Antrieben hin und wieder auseinanderzusetzen, sie formulieren zu können und sich bewußt zu machen, dass sie öffentlich agieren, sich somit auch Kritik und Diskussion von aussen stellen und dieser mitunter entgegentreten müssen. Im Umkehrschluss heißt das, sie sollten nicht völlig unreflektiert vor sich hin arbeiten, sondern das eigene Selbstverständniss im Auge behalten. Wie genau das jede(r) einzelne für sich bestimmt, können allerdings weder Platthaus, noch wir beide, noch irgendwer diktieren. Es liegt schlussendlich an den BloggerInnen persönlich. Und im Prinzip ist das doch gut so, oder?

      Huch, das ist lang und wirr geworden. Ich hoffe, Du konntest mir bis hierher folgen?!

      Lg_jochen

      Antworten

      • Jochen
        28. März 2017 @ 16:35

        P.S.: Leider hat die Aufzeichnung der Sessions via „Voice Republik“ technisch nicht sauber funktioniert. So kann man sich die Keynote von Platthaus und die übrigen Sessions nicht anhören. Zumindest derzeit nicht. Man arbeitet wohl dran…..

      • Henro Vogel
        29. März 2017 @ 11:14

        Lieber Jochen,

        ich bin gut im Lesen von Texten – auch wenn sie mal länger sind 😉

        Was mich irritiert, ist der Unterschied zwischen Wollen und Wirklichkeit: Wenn ich deinen Aussagen korrekt folge, ist Wirklichkeit die größere Freiheit der Blogger*innen. Sie sind nicht so eng eingeschnürt in Ethik und Handwerkszeug wie professionelle Journalist*innen. Und sie setzten sich auf dieser Grundlage leidenschaftlich für Bücher und Literatur ein – was gut ist, keine Frage.

        Andererseits geht es immer wieder um Professionalisierung und darum, dass (manche) Blogger*innen gern für die Arbeit, die sie tun, bezahlt oder wenigstens als dem Feuilleton gleichwertig anerkannt werden wollen. Ich finde den Anspruch überhaupt nicht falsch: Wenn Blogger*innen die Arbeit von Journalist*innen tun, sollten sie auch so bezahlt und/oder behandelt werden. Aber dazu gehört für mich auch zwingend, dass sie das Handwerkszeug beherrschen, oder wenigstens gewillt sind, es sich anzueignen.

        Ich habe das mal in meine Kolumne bei den booknerds zusammengeschrieben: https://www.booknerds.de/2017/03/books-and-the-city-7-von-anspruch-und-wirklichkeit/

        Vielleicht erklärt das meinen Punkt besser. Notfalls müssen wir uns mal auf einen Kaffee treffen 😉

        Grüße Henri

      • Jochen Kienbaum
        2. April 2017 @ 17:41

        D’accord! Wenn BloggerInnen Professionalität anstreben, dann sind kritisches Handwerkszeug und Sachkenntnis Vorbedingung. Aber die wenigsten möchten die Professionalisierung oder eine Arbeit auf Augenhöhe mit der »klassischen Literaturkritik«, zumal es derzeit niemanden gibt, der sie dafür bezahlt. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Interessant fand ich, dass auch Platthaus für die »klassische Kritik« Leidenschaft als Basis sieht, on Top gehören dann freilich andere Kulturtechniken.

        lg_jochen

        P.S.: Kaffee? Warum eigentlich nicht?! Sollten wir unbedingt mal planen.

  3. Marc
    28. März 2017 @ 15:04

    Hallo Jochen,

    vielen Dank für diesen Rückblick auf deine Highlights, fast so als wäre man dabei gewesen 😉
    Für den Herbst ist auch eine Lesung in Nürnberg geplant, bei der ich dann auch aus dem WarumIchLese- Buch vorlesen darf. Hab ja Übung durch die zwei Kinder 😀 und bin gespannt, wie meine Geschichte ankommt.

    Liebe Grüße
    Marc

    Antworten

    • Jochen
      28. März 2017 @ 15:13

      Oh, da wünsche ich schon jetzt viel Spaß, Marc. Seinen Text aus dem Buch vorzulesen und Reaktionen aus dem Publikum zu erhalten, ist schon was anderes als ihn im stillen Kämmerlein zu verfassen und zu genießen. lg_jochen

      Antworten

  4. Mareike
    28. März 2017 @ 12:22

    Lieber Jochen,

    das ist wirklich ein gelungener Bericht und ich musste direkt das eine oder andere Mal lachen 🙂
    Es freut mich, dass du dir das mit den Lesechallenges noch einmal überlegen magst… Es gibt einfach so ein breites Spektrum, da findest du sicher auch etwas für dich 😉
    Es war schön dich kennenzulernen und die Diskussion hat mir viel Spaß bereitet. Vielleicht sehen wir uns ja in Frankfurt oder im nächsten Jahr in Leipzig wieder..

    Bis dahin – Liebe Grüße,
    Mareike

    Antworten

    • Jochen Kienbaum
      28. März 2017 @ 12:46

      Liebe Mareike,

      danke für den netten Gruß. Auch ich habe mich gefreut, dich kennenlernen zu dürfen und behalte unsere Diskussionsrunde ebenfalls gerne in Erinnerung. Es wäre wirklich schön, sich in Frankfurt oder spätestens in Leipzig zur #lbm18 wiederzusehen. Und ja, eine #lesechallenge steht jetzt definitiv auf meinem Programm. Man soll ja niemals nie sagen. Ich werde bestimmt eine finden, die zu mir passt.

      lg_jochen

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