8 Kommentare

  1. Claudia
    15. Oktober 2014 @ 09:11

    Da hast Du mich mit Deiner Besprechung ja sehr neugierig gemacht auf das Buch. Das Thema finde ich sehr interessant – wie das Internet das Leben verändert -, bei Deinen Schilderungen von der Umsetzung in Geschichten bin ich ja recht skeptisch, ob das was ist für mich. Ich bin auf jeden Fall mal sehr gespannt und hoffe, ein netter Nachbar hat das Buchpaket angenommen während des Urlaubs, sodass die “Vier Nachrichten” schon zuhause auf mich warten.
    Viele Grüße, Claudia

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    • Jochen Kienbaum
      16. Oktober 2014 @ 08:52

      Liebe Claudia, würde mich über eine Nachricht/Reaktion nach deiner Lektüre der „Nachrichten“ freuen.
      Das Internet mit seinen Mechanismen und Lebensveränderungsstrategien spielt keine vordergründige Rolle, ausser vielleicht in der ersten Geschichte. Es geht um schleichende Einflüsse, unbemerkte, die unter der Oberfläche wirken. Wir denken, schreiben, leben anders als noch vor 20-25 Jahren, Verben wie surfen, googlen, posten und bloggen scheinen vertraut, sind aber eigentlich brandneu. Daran ist das Internet (seine Verfügbarkeit, seine ständige Präsenz, die Selbstverständlichkeit, mit der wir es nutzen) nicht unschuldig. Wie das funktioniert, ohne das wir es merken, fängt Cohen durchaus geschickt ein. Es sind tatsächlich Nachrichten, die man zwei bis dreimal empfangen muss, um bis in ihren Kern vorzudringen.
      Du merkst, ich bin wirklich infiziert. lg_jochen
      (Viel Spaß mit Cohen)

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  2. Ulrich Blumenbach
    15. September 2014 @ 11:15

    Erst mal vielen Dank für das Lob, lieber Herr Kienbaum. Und zur Frage nach den weiteren Übersetzungen: Ich fange demnächst mit “Cadenza for the Schneidermann Violin Concerto” von 2007 an und hoffe noch sehr, Cohens Haupt- und Meisterwerk, den 820-Seiten-Roman “Witz” von 2010 übersetzen zu können. Der Kurzroman “A Heaven of Others” (2008) wird meines Wissens vom Gaddis- und Wallace-Übersetzer Marcus Ingendaay übersetzt, der neue, auch in den USA noch nicht erschienene Roman “The Book of Numbers” meines Wissens vom Vollmann-Übersetzer Robin Detje.

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    • Jochen Kienbaum
      15. September 2014 @ 12:38

      Lieber Herr Blumenbach, danke für diese Informationen.
      Marcus Ingendaay, Robin Detje und Sie; großartige Riege! Freue ich mich ab sofort doppelt auf die kommenden Cohen-Übersetzungen. Bin sehr gespannt.
      lg_jochen

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  3. caterina
    14. September 2014 @ 22:31

    Mich kannst du mit dieser Rezension ganz und gar nicht abschrecken, ich stehe auf derartige postmoderne Spielereien (einer meiner All-Time-Favorites: Jonathan Safran Foer, mit dem Cohen zuweilen ja auch schon verglichen wurde). 😉 Hast du vielleicht ein, zwei Zitate parat, die dich besonders fasziniert und/oder ratlos zurückgelassen haben?

    Am Mittwoch ist Cohen hier in Frankfurt, bei der Gelegenheit werde ich auch mal in den englischen Originalen seiner anderen Werke blättern. Mich interessiert sehr, was er jenseits dieser vier Nachrichten noch so geschrieben hat, zumal ich ohnehin keine glühende Verehrerin von Kurzgeschichten bin…

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    • Jochen Kienbaum
      15. September 2014 @ 10:42

      Ein, zwei Zitate? Schwierig! Kurze Ausschnitte spiegeln nicht wirklich die Qualität der Texte, wären eher irreführend. Es ist der Fluß als Ganzes, der fasziniert. (…) Nun, vielleicht doch ein (ganz wahllos herausgegriffenes) Beispiel für die Art und Weise, wie Cohen immer wieder seine Texte ironisch bricht (und ad Absurdum) führt.

      „xxx – (Hinweis für einen Videografen) – Er wacht im Wald auf. Er ist dunkel und dicht, Grün und Braun strudeln wie in einer verstopften Toilette. Von den Bäumen, jede Menge Bäumen, hängt Altpapier. Schweißig angebotene Verdüren wie nicht gewachsen, sondern angelüstert, Bouquets aus losgelassenen Büschen. Pubertierende Stängel wachsen zwischen Pfotenabdrücken, tief, aber mit flachen Lachen wie Quellen mit Zehen, mit Klauen, stehende Nässe, Feuchtigkeit waltet, die Stängel verfaulen. Zeichen der Entwurzelung. Große und nasse Bäume – wann hat es denn geregnet? – die Wurzeln in der Luft entblößt wie rostige Streben, wie Gerüste. Hügel in der Nähe wie Trittsteine zu Hügeln, wie Steine, gelrönt mit Baumwänden, ein Baumhimmel schirmt die Sonne ab. (Ich tue hier mein Bestes. In einem Original würde das alles so viel besser klingen.)

      Hier folgt ein Absatz und ein gewaltiger Sprung zu „something completely different“. Cohen will nicht virtuos sein, er spielt Virtuosität; das Verrückte daran; das ist virtuos. Das macht die Ambivalenz der Texte aus. Diese Form des literarischen Jonglierens fasziniert mich und verwirrt mich und ist großer Spaß zugleich.
      Abschrecken? Nein, abschrecken lag mir fern! 😉 Wenn Du, wie du schreibst, Foer magst, dann wirst du auch Cohen mögen. Gleiches gilt für Wallace, den frühen Eggers und die Altmeister des Genres Pynchon und Gaddis. (Obwohl, diese literarische Schubladenpackerei immer ein wenig gaga ist!) Ich persönlich allerdings „fahre voll ab auf die Jungs“, um es mal supersalopp zu formulieren, und bin deswegen sehr, sehr gespannt auf die Romane von Cohen, die Schöffling in Aussicht stellt. Ich kenne aber auch Menschen, die finden Wallace z.B. unerträglich, borniert, aufgeblasen und todlangweilig. Denen würde ich von Cohen vehement abraten, definitiv.
      lg_jochen
      P.S.: Den Auftritt von Cohen beim Lit.-Fest Berlin an Samstag habe ich leider verpasst, ich musste arbeiten (arrg!); ich denke, Du solltset ihn am Mittwoch in Ffm. nicht verpassen. Wünsche schon jetzt viel Vergnügen.

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      • caterina
        17. September 2014 @ 13:13

        Ach, schön, danke vielmals! Das Zitat ist tatsächlich spannend. Mal sehen, was heute Abend bei der Lesung so passiert und welches Buch letztendlich in meinen Händen landet. 😉

  4. Sophie
    14. September 2014 @ 11:53

    Vielen Dank für die Rezension, ich war schon sehr gespannt darauf! Und nun hast du mir – wie der Vertreter zum damaligen Zeitpunkt- ja schon ein bisschen den Mund wässrig gemacht. Ich hoffe, ich komme bald mal dazu, mir Cohen anzusehen! Liebe Grüße

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