1 Kommentar

  1. Christian Milz
    2. September 2019 @ 11:42

    Einen literarischen Text sollte man in erster Linie aus diesem selbst heraus verstehen. Das macht man im Allgemeinen auch so, Ausnahme Büchner. Warum? Weil man nicht durchblickt. Maries Satz „Das Kind gibt mir einen Stich ins Herz“ liefert den Schlüssel zu Büchners Dramenfragment. Klar handelt es sich dabei um eine Metapher seitens der Mutter mit dem Kind auf dem Arm. Aber eben nicht nur, denn das Kind kauft unmittelbar vorher ein Messer, eigentlich völlig überflüssig, weil Woyzeck in der 1. Szene Stöcke geschnitten hat. Zudem verlangt die Stimme aus dem Boden besagte Mutter zu erstechen. Hier wird daher eine Familientragödie abgehandelt, für die es viele weitere Indizien gibt. Zum Beispiel dass das weibliche Opfer ursprünglich Margreth Woyzeck heißt, während der Familienname des Täters ausgespart wird, er heißt nur Louis. Und einen Doktor sowie einen Hauptmann, also auch Erbsen, Rasieren usw. sucht man in dem 1. Handschriftenentwurf vergeblich … Freilich passt die Mordhandlung mit den rituellen Aspekten, den Liedern und der Mächenparabel auch überhaupt nicht zu einem Sozialdrama, als das man den Woyzeck unbedingt missverstehen will. Bei Büchner geht es nebenbei bemerkt auch in Dantons Tod um sexuellen Missbrauch, der sowohl in Goethes Erlkönig eine Rolle spielt wie auch der Kindesmord im Faust. Die Jahrmarktsszenen im Woyzeck handeln versteckte Zynismen über die damals wie heute gängige Pädophilie ab. (Jüngst „Epstein“ in den USA, ein paar Jahre vorher „Savile“ in England und hier bei uns ….)

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